6. Der Besuch Mariens bei Elisabeth

(Lk 1)

I Maria besucht Elisabeth und begrüßt sie

In jenen Tagen machte sich Maria auf und ging eilends in das Gebirge nach einer Stadt in Juda. Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Sobald Elisabeth den Gruß Mariens vernahm, frohlockte das Kind in ihrem Schoße.

Es drängt Maria, auch andern die Gnade der Menschwerdung Gottes zu vermitteln. Deshalb unternimmt sie diesen von Frömmigkeit und Liebe beseelten Gang. Begleite sie auf ihrem Weg über das Gebirge Judäas! Wohne im Hause des Zacharias der Begrüßung dieser beiden heiligen Seelen bei. Sammle dich und betrachte beide mit ehrfurchtsvoller Liebe.

Beim Anblick Mariens wird Elisabeth von Freude erfüllt. Bringt Maria nicht immer und überall, wo sie erscheint, mit der Gnade auch die Freude? Beim Gruß Mariens wird das Kind Elisabeths im Mutterschoß geheiligt. So erweist sich Maria von Anfang an als die mächtige Mittlerin für jede Seele, die der Reinigung und Erlösung bedarf. Setze auf sie deine ganze Hoffnung. Bereite dich vor, die Gnaden des Erlösers durch ihre gebenedeiten Hände zu empfangen. Bitte sie auch, dich zu lehren, die Seelen zu Gott zu führen.

 

II Elisabeth beglückwünscht und preist Maria

Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Sie rief mit lauter Stimme: «Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Woher wird mir die Gnade, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?»

Höre, wie Elisabeth Maria beglückwünscht. Nimm dir an ihr ein Beispiel; denn sie lehrt dich, die Mutter deines Erlösers zu ehren.

Ganz unter dem Eindruck der erhabenen Größe Mariens ruft sie, vom Heiligen Geist erleuchtet, aus: «Du bist gebenedeit, du bist die Auserwählte des Herrn, die Ehre aller Mütter!» Der unvergleichliche Vorzug, den Elisabeth in Maria erkennt, erregt ihre fromme Bewunderung. Sie preist sie wegen des unbegreiflichen Wunders, das Gott in ihr gewirkt hat. Was Maria mehr erhalten hat an Gnade als sie, erweckt keinen Neid in ihrem Herzen. Die Erhöhung Mariens beglückt sie noch mehr, als wenn es ihre eigene wäre.

Hierauf demütigt sich Elisabeth. Sie weiß, in wessen Gegenwart sie sich befindet. Maria ist ein lebendiger Tabernakel, sie trägt Jenen, der die ganze Welt trägt. Aus ihren Augen strahlen alle göttlichen Vollkommenheiten. «Woher kommt mir diese Gnade?» ruft Elisabeth aus. Wie kommt es, daß der Himmel zur Erde sich herabneigt? Wie kommt es, daß Derjenige, der alles ist, sich zu dem Nichts erniedrigt?

Beantworte dir selbst diese Fragen! Es ist die Wirkung der Güte der Herzen Jesu und Mariens. Sie sind eins, und beide lieben uns. Um uns ihre Liebe zu beweisen, kommen sie zu uns. Nimm sie freudig auf, und setze ihrer Wirksamkeit in dir kein Hindernis entgegen. Empfange durch sie die Gnaden des Herrn.

«Selig bist du, weil du geglaubt hast», fügt Elisabeth bei. Du hast dem Wort, das dir gesagt worden ist, geglaubt. Nun wirst du seine wunderbare Erfüllung sehen. Ein Akt lebendigen Glaubens bewirkt Wunder göttlicher Allmacht. Möchtest du, daß Gott in dir und in deiner Umgebung Wunder wirke, Wunder der Bekehrung und des geistlichen Fortschritts, so bestrebe dich, eine Seele von starkem Glauben zu werden. Bitte Maria durch Vermittlung der heiligen Elisabeth um diese Gnade.