30. Die Gesandtschaft der Juden an Johannes den Täufer

(Joh 1)

 

I Johannes empfängt die Abgesandten der Synagoge

So lautet das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: «Wer bist du?» Er bekannte, ohne zu leugnen. Er bekannte: «Ich bin nicht der Messias.»

Vernimm die Frage, welche die Abgesandten der Juden an Johannes richten. «Wer bist du?» fragen sie ihn. «Wir müssen die erregten Gemüter beruhigen. Du übst Buße und lädst zur Buße ein. In wessen Auftrag tust du dies? Nenne uns deinen Namen, und erkläre uns deine Sendung! Bist du Christus?»

Bewundere die Einfachheit, mit der Johannes den Juden antwortet: «Ich bin nicht Christus, ich bin nicht derjenige, für den ihr mich haltet. Ich bin nichts im Vergleich zu demjenigen, den Gott euch sendet.» Das ist die Sprache der echten Demut. Sie fühlt sich klein vor Gott. Wenn die Überzeugung von deiner Niedrigkeit recht lebendig in dir ist, wirst du leicht jede Ehre, die dir nicht gebührt, ablehnen und deine Armseligkeit gerne eingestehen.

Für den Vorläufer ist solch ein Verhalten nur gerecht. Verlangt man doch von der Treue eines Dieners, daß er sich nichts von dem Ansehen und den Vorrechten seines Herrn anmaße. Wer immer eine Ehre, die ihm nicht zukommt, für sich in Anspruch nimmt, entzieht sie ungerechterweise Gott, dem Urheber alles Guten. Johannes der Täufer ist ein Apostel der Ehre Gottes, darum demütigt er sich gern. Er kennt Gott und kennt sich selbst. Einer demütigen Seele, die von ihrem Nichts durchdrungen ist, wird es nicht schwer, sich in den Abgrund ihrer Niedrigkeit zu versenken, aus dem Gott sie gezogen hat.

 

II Johannes erklärt den Juden seine Sendung

Da fragten sie ihn: «Wer bist du denn? Wir müssen doch denen, die uns gesandt haben, Antwort bringen. Für wen gibst du dich aus?» Er antwortete: «Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, wie der Prophet Isaias gesagt hat.»

Die Abgesandten dringen weiter in Johannes: «Was sagst du von dir selbst?» Höre, wie eine demütige Seele nur um sich zu erniedrigen und die Ehre des Heilandes zu erhöhen, von sich selbst redet.

«Ich bin eine vom Himmel gesandte Stimme», erklärt Johannes der Täufer. «Ich rede den Menschenkindern von Gott und bereite die Seelen auf die Ankunft des Erlösers vor. Ich rufe allen zu: Bereitet den Weg des Herrn! Der Herr hat sich zur Erde geneigt und ist auf sie herabgestiegen. Das ist meine Sendung, und eine andere habe ich nicht.»

So spricht eine demütige Seele. Sie erfüllt nur den Beruf, den Gott ihr gegeben hat. Darin besteht ihre Zufriedenheit und ihr Glück. Es liegt ihr wenig am Urteil der Menschen. Erbitte dir vom heiligen Johannes den Mut, allzeit die Wahrheit zu bekennen. Auch du bist eine Stimme vom Himmel. Du sollst zu den Seelen von Gott reden, Ihm in den Herzen der Menschen die Wege bereiten, damit Er darin herrsche. Ist das nicht eine ehrenvolle Aufgabe? Was tust du, um deinen Worten die rechte Kraft der Überzeugung zu geben? Bleiben sie nicht oft wirkungslos, weil menschliche Rücksichten, Stolz und Trägheit dich beherrschen?

 

III Johannes offenbart die unendliche Größe des Erlösers

Sie fragten ihn weiter: «Warum taufst du denn, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elias und nicht der Prophet?» Johannes erwiderte ihnen: «Ich taufe nur mit Wasser. Aber mitten unter euch steht bereits der, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt und mir doch voraus ist. Ich bin nicht würdig, seine Schuhriemen zu lösen.»

Die Abgesandten wagen noch eine Frage. Gott läßt dies zu, damit die volle Schönheit einer demütigen Seele offenbar werde.

«Warum taufst du?» fragen sie ihn. «Ich taufe nur mit Wasser», erwidert er. «Ich bin nichts, und was ich tue, ist nichts. Meine Taufe ist nur ein Tropfen aus dem Meer der Barmherzigkeit, das die Welt überschwemmen wird. Mein Wort ist bloß wie ein fernes Echo der göttlichen Stimme, die nun reden wird. Vergeßt mich, um allein an den zu denken, der jetzt erscheinen soll.» Suche diese Sprache ihrem vollen Sinn nach zu verstehen und zu schätzen. Je mehr du Jesus kennenlernst, desto bereiter wirst du sein, für nichts zu gelten und von den Menschen vergessen zu werden.

«In eurer Mitte ist Er, den ihr nicht kennt», fügt Johannes der Täufer bei. Betrachte diese Worte, und denk dabei jener zahlreichen Tabernakel, wo Er wahrhaft gegenwärtig ist und wo du Ihn im Glauben anbeten sollst. Staune über die Vereinsamung und die Vergessenheit, die Ihm dort zuteil werden. Drängt es dich nicht, Genugtuung zu leisten? Um wirksamer zu sühnen, bitte den heiligen Vorläufer um seinen feurigen Glauben.