26. Die Taufe Jesu

(Mt 3, Mk 1,Lk 3)

 

I Jesus beginnt sein öffentliches Leben

In jenen Tagen kam Jesus von Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

Wohne dem Abschied des göttlichen Meisters von seiner heiligen Mutter bei. Die Stunde der Trennung hat geschlagen. Maria hat den Menschen einen Heiland geschenkt. Nun läßt sie Ihn ziehen, damit Er seine Sendung erfülle. Bedenke, was du Maria schuldest, danke ihr kindlich und versprich ihr, sie über diesen Abschied zu trösten. Sie trennt sich von ihrem Sohn, damit du Ihm auf den Wegen begegnest, auf denen Er dich in seiner Liebe aufsucht. Maria verdankst du das Glück, Jesus zu sehen, zu hören und dich in Ihm zu erfreuen.

Er trennt sich von seiner Mutter und scheidet aus der Zurückgezogenheit in Nazareth, um seine messianische Tätigkeit zu beginnen. Er will auch dich unterrichten in der Erkenntnis, in der Liebe und im Dienst Gottes. Heiße Ihn willkommen und eröffne Ihm deine Seele. Beteuere Ihm: «Meister, ich will dir von nun an folgen, wohin Du gehst.»

 

II Jesus findet sich bei Johannes ein und empfängt die Taufe der Buße

Johannes aber wollte Ihn davor zurückhalten und sagte: «Ich hätte nötig, von Dir getauft zu werden, und Du kommst zu mir?» Jesus antwortete ihm: «Laß es nur zu. Es geziemt sich für uns, daß wir alles erfüllen, was recht ist.» Da ließ er Ihn zu.

Siehe, wie Jesus an den Ufern des Jordans sich unter die Büßerschar mischt. Er ist die Heiligkeit selbst und will doch als Sünder gelten. Wenig liegt Ihm daran, was man von Ihm denken wird.

Nahe dich Ihm in gläubiger Ehrfurcht. Er ist dein König, erzeige Ihm deine Huldigung! Er ist dein Erlöser, flehe Ihn um Gnade an! Er ist dein Vorbild, betrachte sein Beispiel!

Jesus steht vor Johannes. Bewundere die Demut des Meisters, die Frömmigkeit und Einfachheit des Jüngers. Lausche ihren Worten und erwäge sie. «Du kommst zu mir!» ruft Johannes staunend aus. «So geziemt es sich», erwidert Jesus. Das neue Gesetz des Evangeliums fordert ja, daß wir klein werden, den letzten Platz einnehmen und in den Augen anderer nichts gelten wollen, während wir uns ganz für ihr Heil opfern. Und der Sohn Gottes neigt sein Haupt vor jenem, der sich unwürdig erklärte, seine Schuhriemen zu lösen. Lerne dich verdemütigen wie dein Heiland. Bitte Jesus inständig, Er möge das durch seine Taufe geheiligte Wasser über dich ausgießen und deine Seele, dein Herz, deine Sinne und alle deine Werke reinigen.

 

III Jesus wird durch Gott den Vater und den Heiligen Geist verherrlicht

Als aber Jesus getauft war, stieg Er sogleich aus dem Wasser.

Verweile bei Jesus an den Ufern des Jordans. In welch demutsvoller Haltung betet Er! Wer ermißt den Frieden, den Er genießt? Dieser Friede ist der Anteil reiner, gläubiger Seelen. Knie dich neben Jesus, und suche das Weltliche vollständig zu vergessen.

Und siehe, da öffnete sich Ihm der Himmel. Er sah den Geist Gottes gleich einer Taube herabschweben und über sich kommen. Und eine Stimme vom Himmel rief: «Das ist mein geliebter Sohn, an dem Ich mein Wohlgefallen habe.» Warum geschieht diese Offenbarung in diesem Augenblick, an diesem Ort und unter solchen Umständen? Ohne Zweifel will dich der Sohn Gottes durch sein Beispiel die Demut lehren. Er will aber auch, daß du dein ganzes Vertrauen auf Ihn setzt, damit du im Glauben an seine Lehre und in der Befolgung seiner Gebote deine Freude findest. Verdient dein Meister nicht mit Recht den Vorzug vor allem? Betrachte Ihn, und entscheide dich für Ihn.